Legenden der Kurzwellen- und Kommunikationstechnik (1910 – 1973)
Die Hammarlund Manufacturing Company wurde im Jahr 1910 von dem schwedischen Einwanderer Oscar Hammarlund in New York City gegründet. Sie zählte über Jahrzehnte hinweg neben der National Radio Company und Hallicrafters zu den „Big Three“ – den drei weltweit führenden Herstellern von High-End-Kurzwellenempfängern und Amateurfunkgeräten in den USA.
Bevor Hammarlund die Radio-Welt revolutionierte, fertigte das Unternehmen Präzisionskomponenten und mechanische Alltagsgegenstände. Mit dem Aufkommen des kommerziellen Rundfunks in den 1920er-Jahren fokussierte sich die Firma auf den Bau von Drehkondensatoren (Variable Capacitors), Spulen und Bausätzen für Radio-Enthusiasten. Die herausragende Qualität der Bauteile machte den Namen „Hammarlund“ schnell zum Synonym für Zuverlässigkeit. In den 1950er-Jahren verlagerte das Unternehmen seinen Hauptsitz nach Mars Hill, North Carolina, bevor es in den 1970er-Jahren aufgelöst wurde.
Hammarlund setzte technologische Meilensteine, die die drahtlose Kommunikation nachhaltig prägten:
Ende 1931 brachte das Unternehmen mit dem Modell „Comet“ (kurz darauf gefolgt vom legendären „Comet Pro“) den weltweit ersten kommerziell gefertigten Superheterodyn-Empfänger speziell für den Kurzwellenbereich auf den Markt. Dies revolutionierte die Empfangsempfindlichkeit und Trennschärfe im professionellen Bereich fundamental.
Zusammen mit seinem Sohn Lloyd entwickelte Oscar Hammarlund den sogenannten „Midline“-Drehkondensator. Dieser ermöglichte eine lineare Frequenzabstimmung beim Drehen des Skalenknopfs und stieg schnell zum weltweiten Industriestandard auf.
Die Geräte zeichneten sich meist durch ein extrem robustes, schweres Metallgehäuse (im Jargon oft als „Boatanchors“ bezeichnet) und die charakteristischen, präzise geschliffenen Doppelskala-Fenster für Hauptabstimmung und Bandspreizung aus.
| Modellreihe | Zeitraum | Eigenschaften & Bedeutung |
|---|---|---|
| Comet / Comet Pro | 1931 – 1935 | Erster kommerzieller Superhet-Kurzwellenempfänger; Meilenstein für Expeditionen und kommerzielle Funkstationen. |
| Super Pro Serie (z.B. SP-600) | 1936 – 1972 | Die absolute Oberklasse. Der SP-600 wurde im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg vom US-Militär, Geheimdiensten und Behörden weltweit als Standard-Abhörempfänger genutzt. |
| HQ-Serie (z.B. HQ-120, HQ-180) | 1938 – 1973 | Sehr erfolgreiche Empfängerlinie für das mittlere Preissegment, optimiert für anspruchsvolle Funkamateure (Amateur Radio) und Kurzwellenhörer (SWL). |
Während des Zweiten Weltkriegs war die Produktionskapazität von Hammarlund beinahe vollständig für die alliierte Kriegsanstrengung reserviert. Schätzungen zufolge basierten in der ersten Kriegshälfte über 60 % aller Militär-Horchgeräte auf den hochpräzisen Drehkondensatoren von Hammarlund, da kein anderer Hersteller die geforderten mechanischen Toleranzen und die thermische Stabilität garantieren konnte.