Während der kurzen Existenz der Demokratischen Volksrepublik Äthiopien (DVRÄ) unter der Führung von Mengistu Haile Mariam war die Kurzwelle das wichtigste Medium zur inländischen Massenkommunikation und zur Verbreitung staatlicher Auslandspropaganda.
Historischer Kontext & Verstaatlichung
Nach dem Sturz des Kaisers im Jahr 1974 übernahm ein Militär-Regime die Kontrolle über das Land. Bereits im März 1977 verstaatlichte die Militärjunta die mächtige, christliche Kurzwellenstation Radio Voice of the Gospel (ETLF) der "Lutherischen Weltföderation". Mit der späteren offiziellen Ausrufung der DVR Äthiopien im Jahr 1987 ging die gesamte Infrastruktur in den Dienst der neu strukturierten staatlichen Rundfunkanstalt über.
Die zwei tragenden Säulen des Rundfunks
Voice of Revolutionary Ethiopia
Der offizielle Nachfolger des verstaatlichten Auslandssenders nutzte zwei starke 200 kW Kurzwellensender in der Nähe von Addis Abeba. Gesendet wurde weltweit in Sprachen wie Amharisch, Englisch, Französisch, Arabisch und Somali, um das sozialistische Gesellschaftsmodell Äthiopiens global zu repräsentieren.
Radio Ethiopia (Inlandsdienst)
Da die Alphabetisierungsrate im Land damals sehr gering war, bildete der Inlandsdienst auf Kurzwelle das Rückgrat der inneren Informationspolitik. Er diente der Mobilisierung der Bevölkerung, der Bildungsarbeit sowie der Verbreitung von Regierungsdekreten.
Historische Kurzwellenfrequenzen
Die folgende Übersicht zeigt die typischen Frequenzen und Kurzwellenbänder, die vom offiziellen Staatsfunk der DVR Äthiopien und den oppositionellen Kräften im Ätherkrieg genutzt wurden:
| Sendername | Frequenz (kHz) | Meterband | Zielgebiet / Funktion |
|---|---|---|---|
| Voice of Revolutionary Ethiopia | 11.890 kHz, 11.800 khz |
25 m Band | Auslandsdienst (Europa, Nordamerika) |
| Voice of Revolutionary Ethiopia | 9.560 kHz | 31 m Band | Regionaler Auslanddienst (Nahost / Ostafrika) |
| Radio Ethiopia (Inland) | 7.110 kHz, 7.165 khz |
41 m Band | Nationaler Dienst (Tagesfrequenz) |
| Radio Ethiopia (Inland) | 989 khz; 6.065 kHz |
MW; 49 m Band | Nationaler Dienst (Morgen- & Abendfrequenz) |
| Voice of the Tigray Revolution | 5.500 kHz | 60 m Band (Out-of-band) | Clandestine / Opposition gegen das soz. Regime |
| Radio Fana (Untergrund) | 6.940 kHz | 41 m Band (Out-of-band) | Rebellenfunk der Opposition |
Hinweis für DXer: Die staatlichen Inlandsfrequenzen wechselten saisonal und tageszeitabhängig, um der ionosphärischen Ausbreitung in den gebirgigen ostafrikanischen Regionen gerecht zu werden. "Out-of-band"-Frequenzen wurden von Rebellen bewusst gewählt, um staatlichen Störsendern (Jamming) zu entgehen.
Technische Ausstattung
Die Sendeanlagen befanden sich vor allem in Gedja südlich der Hauptstadt Addis Abeba. Durch die Kooperation mit Staaten des Ostblocks und technischer Unterstützung, die teilweise noch aus früheren US-Hilfen (1960er Jahre) stammte, standen Äthiopien für afrikanische Verhältnisse überaus leistungsstarke Sendeanlagen zur Verfügung. Die Kurzwelle bot dabei den entscheidenden Vorteil, die gebirgige Topografie des Horns von Afrika problemlos zu überwinden.
Der Ätherkrieg und das Ende
Gegen Ende der 1980er Jahre sah sich das Regime der DVRÄ zunehmend mit dem Widerstand der Tigray People's Liberation Front (TPLF) und anderen Fraktionen konfrontiert. Es entwickelte sich ein intensiver Radiokrieg: Während die Regierung den offiziellen Staatsfunk betrieb, sendete die Opposition mit mobilen Untergrundsendern (Clandestine-Radio) aus den Bergen, um die Truppen Mengistus zu demoralisieren. Mit dem Zusammenbruch des Regimes im Mai 1991 endete auch die kurze Ära des stramm marxistisch-leninistischen Senders 'Voice of Revolutionary Ethiopia' bzw. ebenfalls von 'Radio Ethiopia', dem sozialistischen Inlandsrundfunk.