Radio Frunze (Радио Фрунзе)

Das Relaiszentrum der Kirgisischen SSR auf Kurzwelle
📡 HISTORISCHER STATUS: AKTIV 1938 – 1991

Überblick

Während der Sowjetzeit war die Stadt Frunze (das heutige Bischkek, Hauptstadt von Kirgistan) ein strategisch immens wichtiger Standort für den Kurzwellenrundfunk der UdSSR. Aufgrund der geografischen Lage in Zentralasien eigneten sich die mächtigen Sendeanlagen nahe Frunze perfekt, um sowohl die entlegenen Regionen der Sowjetunion als auch das asiatische Ausland (darunter China, Indien und Pakistan) flächendeckend zu erreichen.

Technische Daten & Frequenzbänder

Der Kurzwellenrundfunk nutzt die physikalischen Eigenschaften der Ionosphären-Reflektion, um Tausende Kilometer zu überbrücken. Die Sendungen aus Frunze wurden in der Regel über das System von Gosteleradio (dem staatlichen Komitee für Fernsehen und Rundfunk der UdSSR) gesteuert.

Parameter Sowjetische Spezifikation (Bis 1991)
Standort Frunze (Krasnaja Retschka), Kirgisische SSR, UdSSR
Wellenbereich Kurzwelle (Shortwave / HF) & Grenzwelle
Hauptfrequenzen (Kern) 4010 kHz, 4820 kHz, 4940 kHz
Hauptprogramme Radio Moskau (Fremdsprachen), Allunions-Radio (Heimatdienst), Kirgisischer Rundfunk
Sendeleistung Großsender-Kategorie (100 kW bis zu 500 kW)

Sowjetischer Kurzwellen-Frequenzplan (Frunze)

Je nach Tageszeit, Jahreszeit und Zielgebiet wechselte die Relaisstation Frunze zwischen verschiedenen Frequenzen, um atmosphärische Störungen zu minimieren. Folgende Frequenzen prägten den sowjetischen Sendebetrieb am Standort:

Frequenz Band Zielgruppe / Programm während der UdSSR
4010 kHz 75-Meter-Band Regionaler Inlandsdienst (Kirgisischer Rundfunk) für die Gebirgsregionen des Tian-Shan. Mode: AM.
4820 kHz 60-Meter-Band Allunions-Radio / Kirgisisches Programm 1 (Hauptfrequenz für Zentralasien im Inlandsdienst).
4940 kHz 60-Meter-Band Sowjetischer Inlandsdienst & Relais-Kanal-Marker für den asiatischen Teil der UdSSR.
7140 kHz 41-Meter-Band Radio Moskau – Auslandsdienst in Richtung Südasien (Indien/Pakistan) am späten Nachmittag.
9545 kHz 31-Meter-Band Radio Moskau – Relais-Ausstrahlung für den Fernen Osten und West-China (Zentraler Auslandsdienst).
11750 kHz 25-Meter-Band Radio Moskau / "Stimme der Sowjetöffentlichkeit" (Frieden und Fortschritt) – Tagsüber für das asiatische Ausland.
15315 kHz 19-Meter-Band Fernausstrahlung im Sommer für den Nahen Osten und Südostasien.

Die Doppelrolle im Kalten Krieg

Der Standort Frunze erfüllte während der sowjetischen Epoche im Wesentlichen zwei Kernaufgaben auf der Kurzwelle:

Historische Notiz: Neben dem regulären Rundfunk wurden Kurzwellenanlagen in dieser Region der UdSSR bei Bedarf auch temporär für die Ausstrahlung von Störsignalen (Jamming) eingesetzt, um den Empfang westlicher Sender wie Radio Free Europe oder der BBC innerhalb der sowjetischen Grenzen zu blockieren.

Das Ende einer Ära

Mit dem Zerfall der Sowjetunion im Spätjahr 1991 endete die Epoche von "Radio Frunze". Die Stadt wurde in Bischkek umbenannt und die gigantischen Relaissender gingen in den Besitz des neu gegründeten Staates Kirgistan über. Die markante Frequenz 4820 kHz blieb im postsowjetischen Kirgistan noch viele Jahre das Erkennungszeichen des nationalen Rundfunks, bevor auch hier der Kurzwellendienst aus Kostengründen eingestellt wurde.