Radio Jugoslawien

Die Stimme der Blockfreien auf Kurzwelle (1945–1980)

Geschichte des Senders

Der Kurzwellenrundfunk im sozialistischen Jugoslawien begann unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits 1945 wurde der Auslandsdienst unter dem Namen Radio Jugoslawien (später oft auch als Internationaler Dienst von Radio Belgrad bekannt) reaktiviert.

Nach dem historischen Bruch zwischen Josip Broz Tito und Josef Stalin im Jahr 1948 änderte sich die strategische Ausrichtung fundamental. Der Sender entwickelte sich von einem Werkzeug des Ostblocks zu einer unabhängigen Stimme, die die jugoslawische Idee des „Sonderwegs“ und des Selbstverwaltungssozialismus in die Welt trug.

Die Rolle Titos und die Blockfreien-Bewegung

Unter Marschall Tito wurde der Kurzwellenrundfunk zu einem der wichtigsten Instrumente der Außenpolitik. Als Mitbegründer der Bewegung der Blockfreien Staaten nutzte Jugoslawien die Kurzwelle, um geopolitischen Einfluss in Afrika, Asien und Lateinamerika zu gewinnen.

"Der Kurzwellenrundfunk war Titos akustische Brücke zu den Entwicklungsländern, die sich weder dem Westen noch dem sowjetischen Ostblock anschließen wollten."

Die Programme wurden in über zehn Sprachen ausgestrahlt, darunter:

Technik und Sendeanlagen

Um weltweite Reichweiten zu erzielen, investierte der jugoslawische Staat massiv in die Infrastruktur. Das Herzstück des Kurzwellenrundfunks war die Großsendeanlage in Bijeljina (heute Bosnien und Herzegowina) sowie Anlagen in der Nähe von Belgrad (Stubline).

Mit starken Sendern im Bereich von 100 bis 500 Kilowatt konnten die markanten Pausenzeichen – meist Melodien aus jugoslawischen Partisanenliedern oder die Nationalhymne Hej Sloveni – rund um den Globus empfangen werden. Für DXer (Funkamateure und Fernempfänger) weltweit waren die QSL-Karten von Radio Jugoslawien begehrte Sammlerobjekte.