1. Historischer Kontext & Anfänge
Der staatliche Rundfunk in Persien begann seine offizielle Geschichte unter der Herrschaft von Reza Schah Pahlavi. Angestoßen durch die Propagandasendungen ausländischer Mächte (wie dem persischen Dienst aus Berlin seit 1939), forcierte das Ministerium für Post, Telegrafie und Telefonie den Aufbau einer nationalen Stimme. Am 24. April 1940 weihte Kronprinz Mohammad Reza Pahlavi die erste Station in Teheran feierlich ein.
Zu Beginn stand ein 20-kW-Mittelwellensender zur Verfügung, doch für die Überbrückung der riesigen Distanzen des iranischen Hochlandes wurde zeitgleich eine 30-kW-Kurzwellenanlage nahe dem Teheraner Bisim-Viertel in Betrieb genommen. Unter der späteren Alleinherrschaft von Mohammad Reza Schah entwickelte sich die Kurzwelle zum akustischen Rückgrat der kaiserlichen Modernisierungspolitik.
2. Technische Infrastruktur & Frequenz-Chronologie
Da das persische Territorium von massiven Gebirgszügen wie dem Elburs- und Zagrosgebirge durchzogen ist, stieß die Mittelwelle schnell an ihre Grenzen. Die Kurzwelle sicherte dem kaiserlichen Hof die akustische Präsenz bis in die entlegensten Provinzen und das Ausland.
Ab 1963 wurde die Infrastruktur durch das Großsendezentrum Kamalabad (nahe Karadsch) revolutioniert. Dort wurden schrittweise moderne Hochleistungssender von Telefunken, Siemens und der BBC-Hardware installiert, deren Sendeleistungen später bis zu 500 kW erreichten.
| Parameter / Frequenz | Details zur Pahlavi-Ära | Nutzung & Zielgebiet |
|---|---|---|
| 3250 kHz & 6100 kHz | Klassische Kurzwellenbänder (90m / 49m) | Inlandsversorgung der Provinzen & Nomadenstämme |
| 11680 kHz | Höheres Kurzwellenband (25m) | Internationale Auslandssendungen (Europa/Nahost) |
| Sender Bisim (Teheran) | 30 kW (Erstausstattung ab 1940) | Historischer Grundstein des Kurzwellendienstes |
| Zentrum Kamalabad | Ausbau ab 1963 auf bis zu 500 kW, Hauptfrequenz 9022 khz | Modernster Kurzwellenkomplex des Mittleren Ostens |
3. Programmstruktur, Modernisierung & Kaiserhymne
Der Rundfunk – ab 1971 in der mächtigen Monopolanstalt National Iranian Radio and Television (NIRT) unter der Leitung des Schah-Vertrauten Reza Ghotbi organisiert – war streng zentralisiert. Jedes Programm begann und endete obligatorisch mit der kaiserlichen Nationalhymne („Lang lebe der Schah!“). Technokraten nutzten den Sender, um die wirtschaftlichen Erfolge des kaiserlichen Systems und die vom US-amerikanischen Point-Four-Programm unterstützten Infrastrukturprojekte zu rühmen.
Die Weiße Revolution: Ab 1963 diente die Kurzwelle als massives Werkzeug zur Bewerbung der Landreformen, Alphabetisierungskampagnen und Frauenrechtsreformen des Schahs.Kulturelle Identität: Es wurde gezielt ein persischer Nationalismus propagiert, der die vorislamische Großmachtzeit der Achämeniden in den Vordergrund rückte, um die Legitimität der Pahlavi-Dynastie zu untermauern.
NIRT International: Ab Oktober 1974 etablierte die NIRT einen mehrsprachigen Auslands- und Residentendienst (auch Deutsch) auf Kurzwelle und UKW, um die wachsende Zahl ausländischer Fachkräfte im Land direkt zu informieren. Das Ende dieses Projekts erfolgte 1979 mit dem Sturz des Schah-Regimes.